Entscheidungen, ich wäre gerne ein Murmeltier

Ich wäre gerne ein Murmeltier

Ich wäre gerne ein Murmeltier. Eine Geschichte über die Winter-Müdigkeit – oder von Entscheidungen für oder gegen etwas.

Ich fühle mich derzeit wie ein Murmeltier, das man vom Winterschlaf abzuhalten versucht.

Ein alljährliches Ritual nimmt wieder Platz ein in meinem Alltag. Die winterliche Müdigkeit ist mit all ihren sieben Sachen ungefragt bei mir zu Hause eingezogen. Ja, die schon wieder… Wir kennen uns. Und sie fand mich immer. Egal welche Wohnadresse ich die meine genannt habe.

Entscheidungen für oder gegen etwas

Unser Ritual besteht darin, ab abends um sieben das Gefühl zu haben, es sei sicher bald Zeit ins Bett zu fallen. Wie all die Abende zuvor stelle ich dann leicht verwirrt fest, herrje, es ist erst ungefähr 19.00 Uhr. Das kann nicht sein! Es ist mindestens 23.00 Uhr nachts! Da bin ich mir sicher!

Uhren-Check ist angesagt. Auch so ein Bestandteil unseres Rituals. Es könnte ja sein, dass eine der Uhren stehen geblieben ist.

Nachdem ich diesen Rundgang beendet habe und sich alle meine Zeitmesser einig sind, es sei definitiv erst sieben, finde ich mich überstimmt von der Realität damit ab.

Ist es dann aber endlich Schlafenszeit und ich entschließe Richtung Bett zu wandern, da werden plötzlich Kräfte in mir wach, das ist wirklich erstaunlich. Wo bleiben die nur den ganzen Tag über?

Im nu flitze ich um die Ecke und finde mich im Bad wieder, als wäre ich mit magischer Düsenjet-Geschwindigkeit unterwegs. Nichts geht so schnell, wie die Wegstrecke von Wohnzimmer zu Schlafzimmer inklusive dem Stopp im Bad.

Gesicht waschen, Zähne putzen und ins Pyjama steigen, das geht alles fast wie in einem einzigen Handgriff.  Beachtenswert, wie in solchen Momenten mein Körper und ich ein eingespieltes Duo sein können. Ruck-zuck und wir hüpfen ins Bett als würden wir nichts lieber tun. Stimmt ja auch 🙂

Schlafen ist gerade mein Lieblings Hobby – bei dir auch?

 

Ich bin mir sicher, dass ich das bequemste Bett der Welt habe.  Das Kissen genüsslich umschlingen, die Decke bis zur Nasenspitze hochziehen und richtig ins Bett kuscheln. Hach! Einfach herrlich! Zufrieden lächelnd, endlich loslassen und entspannen. Da sind mein Körper und ich uns einig. Sonst die Tage ja nicht immer … Aber erst einmal im Bett, sind wir ein Herz und eine Seele.

Wäre da nicht die bekanntlich andere Seite der Medaille. So hat auch dieses Ritual eine, sagen wir einmal, eine Nebenwirkung. Morgens beginnt dann die nächste Leier …

Normalerweise lockt mich der Gedanke an einen morgendlichen Spaziergang im Wald mit Leichtigkeit aus dem Bett. Einen tiefen Atemzug nehmen zu können, von Vogelgezwitscher begleitet aufzuwachen, herrlich!

Nur, derzeit äh, nein danke!

Es könnte mir ja ein eisiger Wind um die Ohren pfeifen und der Nebel erst, der klamm und kalt die Kleider durchdringt und bis tief in die Knochen kriecht. Ich könnte auf verwirrt bis belustigt wirkende Waldbewohner treffen, die in meiner Gegenwart verstummen, weil eine im Dunkeln durch den Wald strauchelnde und bis zur Unkenntlichkeit eingehüllte Gestalt wohl ein wirklich belustigendes Bild ergibt. Nein, also darauf habe ich nun wirklich keine Lust. Und überhaupt. Ich müsste mich dazu ja bewegen. Bewegen?!

Pah! Ne, nä!? Ok, ich gebe es zu, ich weise derzeit verdächtig viele Ähnlichkeiten mit einem Morgenmuffel auf. Aber das gehört zu diesem ‘Ich-wäre-gerne-ein-Murmeltier-Ritual‘ dazu. Unverzichtbar!

Nachdem dann mein Wecker zum dritten Mal aus der Schlummer-Funktion erwacht und mir ins Bewusstsein ruft, dass die Zeit läuft, mit mir oder ohne mich, suche ich immer noch einen Grund, die so angenehme Bettwärme nicht zu verlassen.

kaffemitsahnehaube_13-11-2016

Das Einzige, das dieses Rennen dann noch gewinnen kann, ist ein Cappuccino mit Sahnehäubchen. Nur MIT Sahnehäubchen versteht sich! Also, auf jetzt! Das Leben ruft! Es gibt sicher auch heute wieder unzählige tolle Dinge zu erleben.

Ja, ja… Ich komm ja schon. Wie können sich eigentlich über Nacht die gefühlten Lebensjahre verdoppeln?! Verrückt!

So trotte ich also verschlafen denselben Weg, den ich ein paar Stunden zuvor richtig gehend geflitzt bin zurück Richtung Küche nur meinen Kaffee vor Augen.

Vom Umgang mit Dingen, aus einem anderen Blickwinkel betrachtet

 

Alle Jahre wieder. Immer dasselbe Spiel. Derselbe Rhythmus, darauf kann ich mich verlassen. Es gibt eben doch Dinge, die bleiben wie sie sind. Nur, mein Umgang damit, der hat sich im Verlaufe der Jahre sehr verändert. Ich finde meinen Körper keineswegs mehr „blöd“, weil er sich manchmal schwerer tut in die Gänge zu kommen. Ich bin auch nicht mehr unzufrieden mit mir, nur weil ich nicht zu jeder Jahreszeit gleich viel Sport treibe und für Bewegung sorge.

Keiner von uns ist immer gut drauf! Den wenigsten unter uns gelingt es, vollkommen diszipliniert und strukturiert zu sein. Und weißt du was? Das ist völlig ok so! Ganz und gar sogar!

Es zählt aus m

einer Sicht nur, wie wir damit umgehen, wenn wir uns anders verhalten als wir uns vorgenommen haben.

Die Dinge von der schmackhaften süßen Seite sehen

 

Ich meinerseits, ich ziehe es vor, mich zu amüsieren. Nicht, mich zu belächeln, nein nein! Mich selbst mit mir und über mich zu amüsieren. Das ist sowohl vergnüglich als auch sehr entlastend. Das Sahnehäubchen eben. Mein Sahnehäubchen.

Ich spiele die Zentralfigur in meinem Spiel des Lebens. Ich entscheide, ob es eine dramatische Vorstellung ist, die ich darbiete. Nebenbei gesagt, ich bin eine sehr authentische Drama-Queen. Oder ob ich dieses Schauspiel in Form einer Komödie gestalte und erlebe. ‘Adriana, wie sie leibt und lebt.’

Manchmal wirklich zum Brüllen vor Lachen! Das Leben schreibt doch die witzigsten situationskomischen Begebenheiten. Oder hast du noch nie gestutzt, wenn du dich morgens völlig zerzaust und zerknüllt im Spiegel angetroffen hast?

“Hallo Fremde, fühl dich wie zu Hause, ich mach mir erstmal einen Kaffee!” 🙂

Ich entscheide, ob es ein Drama oder eine Komödie für mich wird

 

Wir bekommen täglich eine neue Chance.

Wenn also meine üblichen Rituale nicht locken, macht es wenig Sinn mich darüber aufzuregen.

Ich kenne mich. Ich weiß, dass ich ganz schön störrisch werden kann, wenn ich mich gezwungen fühle etwas zu tun. Insbesondere wenn ich mir selbst Druck aufsetze. Mich zu etwas zu zwingen, hat schon gar keinen Zweck. Da werde ich allerhöchstens zum Vogelschreck. So mürrisch schon am frühen Morgen durch den Wald zu stapfen. Nur weil es gesund ist und gut tut! Es ist in solchen Momenten ja auch fraglich, wie gut es mir dann tatsächlich tut.

So habe ich gelernt, mich zu führen. Nicht einfach zu befehlen und mir selbst eine Entscheidung aufzuzwingen. Nein, mich zu führen und zwar mich in Entscheidung zu führen.

Mich gegen etwas zu entscheiden fällt mir schwer und befriedigt mich selten. Mein Naturell ist glücklicherweise sehr begeisterungsfreudig. Also habe ich gelernt, mir mein Feuer der Begeisterung zu Nutze zu machen und mich für Dinge und Situationen zu entflammen. Bin ich erst einmal von einem Gedanken erfasst und davon fasziniert, fällt die Entscheidung manchmal ganz von alleine. Ich muss mich also nicht gegen das im Bett bleiben und die so angenehme, verlockende Bettwärme entscheiden, nein, ich begeistere mich für meinen morgendlichen Cappuccino mit Sahnehäubchen.

Mein Leben wurde so viel leichter, bunter und unterhaltsamer …

 

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… seit ich mich stets für etwas entscheide. Mich für Neues begeistere und mich für ein flexibles Verständnis von: ‘Ich sorge gut für mich’ – stark mache.

Wie gehst du mit der Winter-Müdigkeit um?

Ich habe mich entschieden, der Winter-Müdigkeit ein Schnäppchen zu schlagen. Schließlich bin ich durch all die Frequenzerhöhungen der letzten Jahre gewohnt, dass es Zeiten gibt, in denen die Müdigkeit dominanter ist als sonst. Ich amüsiere mich darüber. Genieße es schon fast schelmisch, früher zu Bett zu gehen, egal ob meine To-do-Liste abgearbeitet ist oder nicht.

Den Preis den ich bezahlen müsste, wenn ich mich dem Schlafbedürfnis verwehre, den kenne ich nur all zu gut.

Ich bin es mir wert, dass es mir gut geht.

Und du?

 

Von Herz zu Herz, von Seele zu Seele

Ich grüße dich

Adriana

 

6 Kommentare
  • Renata

    18. November 2016 in 20:25 Antworten

    Wie köstlich humorvoll und gleichzeitig tiefernst du uns durch deine GedankenGefühle führst, Adriana! Chapeau!

  • Kerstin

    18. November 2016 in 21:30 Antworten

    Wie oft ich nun mit Freude den Beitrag gelesen habe und immer wieder gluckst ein Lacher hervor – es ist so großartiger Balsam für die Seele! Herzlichen Dank!

    Was mir sehr auffällt, wie geschickt, gekonnt und mit welcher Energie du mit Wörtern spielst – Hochachtung! Gelungen nimmst du mich als Leserin mit auf die Reise bis hin zur Ermutigung, die gefällte Entscheidung wie ein Fest zu zelebrieren. Ein feiner Kaffee mit Milch lockt mich im übrigen auch sehr gerne aus dem Bett und schnell mit dem vollen Becher zurück und hinein 🙂 Ohne zu verschütten, versteht sich 🙂

    Dieser Beitrag ruft nach einer Fortsetzung: Weisheiten des Lebens humorvoll als Geschenk für die Leser verpackt, und das à la Adriana – wow 😉

  • Regina

    19. November 2016 in 8:34 Antworten

    Liebe Adriana,

    wundervoll geschrieben. Danke dafür.

    Diese Müdigkeit von der Du sprichst kenn ich sehr gut.
    Sie kommt gerne um 18:00 vorbei und setzt sich mit an den Tisch. 🙂

    Ja, das anzunehmen was ist scheint mir die schönste und wachstumsförderlichste LebensAufgabe überhaupt.

    Inzwischen 😉

    Grüße von Herzen
    Regina

  • Luzia Kaufmann

    19. November 2016 in 11:26 Antworten

    Liebe Adriana,

    eine wunderschöne, Lebensechte Geschichte.
    Ich kenne das seit Jahren auch, nur zu gut. Auch ich kann zwischen 19:00 und 21:00 in mein kuschelig warmes Bett steigen.
    Und seit ich meinen Fernseher nicht mehr habe, hat sich das früh ins Bett gehen eingebürgert, hihi. Es ist gut und ich geniesse es.

    Herzliche Grüsse und sei Umarmt

    Luzia

  • Krista

    19. November 2016 in 15:59 Antworten

    Liebe Adriane,

    danke für den schönen Artikel und deinen Blickwinkel. Mir geht es auch so und ich geniessse die Zeit für mich.
    Diese Jahreszeit ist ja da um aufzutanken, nach Innen zu gehen und für sich zu sein und auch zu reflektieren.
    Das ‘Funktionieren Müssen’ sollte wirklich aussterben 🙂 .

    Meine Erfahrung ist jedoch auch, dass viele Menschen im Sommer nicht die Möglichkeit hatten ihre Vitamin D3 Depots aufzufüllen und jetzt, wo die Sonne noch niedriger steht, etwas fehlt. Dann fallen wir mit unserer Körperfunktion wie die Bären in den Winterschlaf und es ist ein Grund warum so viele Menschen gerade jetzt depressiv werden.
    Da kann ich nur Vitamin D3 empfehlen zusammen mit K2 (ganz wichtig) hochdosiert. Ich bin bei 60.000 i.E. pro Tag und es tut mir wahnsinnig gut. 

    Herzgruss aus Steffisburg, Krista

  • Marina

    20. November 2016 in 19:07 Antworten

    Liebe Adriana
    Deine Worte erwärmen mir das Herz! Wundervoll geschrieben. 🙂
    Danke!
    Alles Liebe,
    Marina

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