Der Morgen, an dem mein Spiegel die Wahrheit sagte
Eine Geschichte über Erfolg, Freundschaft und den Mut, ehrlich hinzuschauen
Es gibt einen Moment, den viele kennen. Man erreicht endlich, wofür man jahrelang geackert hat und statt der grossen Erleichterung kommt Stress. Oder Leere. Oder beides gleichzeitig.
Bei mir sah dieser Moment so aus: Eines Morgens schaute mich im Spiegel ein Gesicht an, das ich kaum wiedererkannte. Zerknittert, Augenringe bis zum Kinn, die Haare so struppig, als hätten sie innerlich bereits gekündigt. Irgendwo tief in mir meldete sich eine Stimme, unüberhörbar laut. Herzchen, Du bist auf dem völlig falschen Dampfer.
Normalerweise ignoriere ich solche Stimmen erfolgreich. Diesmal nicht. Kurz danach brach etwas in mir auf oder zusammen, ich weiss es bis heute nicht. Hart, aber heilend. Und wie das bei mir so ist, griff ich zum Telefon und rief Martina an. Nicht weil sie eine Lösung gehabt hätte, sondern weil ich wissen musste, dass ich mit diesem Sturm nicht allein bin.
Seither stelle ich mir eine Frage immer wieder neu, gerne auch beim Zähneputzen. Was ist wahrer Erfolg eigentlich?
Früher strebte ich nach grossen, sichtbaren Dingen und wenn sie dann da waren, war das meistens mit einem Stresspegel verbunden, der locker mit einer Weltraummission mithalten konnte. Auch die Arbeit mit der Kamera fiel mir zu Beginn so schwer, dass die Kamera sich anfühlte wie eine Lupe in der Sonne, gnadenlos scharf und ich mittendrin, mit dem festen Vorsatz, ja keinen Fehler zu machen.
Heute weiss ich, das war nicht nur Angst, sondern ein ehrlicher Wegweiser. Zählt eine grosse Teilnehmerzahl? Oder zählt die Begegnung mit jeder einzelnen Person, mit der man diesen Weg tatsächlich geht?
Genau das ist es, was mich an Martina bis heute trägt. Wir kennen uns schon fast so lange, dass unsere Freundschaft bald volljährig wird. Sie hat mich in einigen meiner weniger glanzvollen Momenten erlebt, im Spiegel wie auf der Bühne und ist trotzdem geblieben. Ich habe aus nächster Nähe mitbekommen, wie ihr eigener Weg verlief, mit Höhen, mit Enttäuschungen, die sichtbare Narben hinterlassen haben und mit grossen Erfolgen.
Als Martina die Ilima Oase eröffnete, durfte ich als eine der Ersten dort einen Workshop geben. Wir waren so ausgebucht, dass wir aus allen Nähten platzten, herrlich chaotisch und wunderbar richtig. Damals ritten wir beide auf einer Welle, jung, euphorisch, überzeugt, dass es nur noch aufwärts gehen kann.
Es kamen dann auch andere Zeiten, für sie wie für mich. Harte Zeiten, die niemand von uns sich ausgesucht hätte. Aber genau diese Zeiten haben unsere Freundschaft tief gemacht, auf eine Art, wie es der anfängliche Höhenflug allein nie geschafft hätte.
Vielleicht trägst Du selbst gerade einen Massstab mit Dir herum, den Du Dir irgendwann angewöhnt hast, ohne ihn seither in Frage zu stellen. Zahlen, Titel, Anerkennung von aussen. Mein eigener Massstab hat sich verschoben, weg vom Applaus, hin zu Menschen, die bleiben, auch wenn es gerade nicht glänzt.
Wenn Martina dieses Jahr zehn Jahre Ilima Oase feiert, dann feiere ich nicht nur einen unternehmerischen Erfolg. Ich feiere eine Freundschaft, die durch all diese Höhen und Tiefen getragen hat, was für mich mittlerweile die eigentliche Definition von Erfolg ist.
Am 1. November verbringen wir gemeinsam einen Tag zu genau dieser Frage, mit Flying, mit Geschichten von Wendepunkten, mit der geistigen Welt im Gepäck und mit uns beiden, ganz unverkniffen und in echt.


